Wir stellen den DGM-Nachwuchspreis 2025 vor, mit dem herausragende Doktorand*innen ausgezeichnet werden, deren Abschluss zum Zeitpunkt der Bewerbung nicht länger als zwei Jahre zurückliegt. Diese prestigeträchtige Auszeichnung ist Nachwuchswissenschaftler*innen gewidmet, die sich in der gemeinnützigen Forschung auf dem Gebiet der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik verdient gemacht haben. Die DGM gratuliert Herrn Dr.-Ing. Alexander Koch, Technische Universität Dortmund, zum DGM-Nachwuchspreis 2025.
1) Wie sind Sie ursprünglich zur Materialwissenschaft und Werkstofftechnik gekommen – und stand für Sie von Anfang an fest, dass Sie promovieren möchten? Wie hat sich daraus schließlich das Thema Ihrer Dissertation zur Wiederverwertung von Aluminiumspänen entwickelt?
Schon früh hat mich fasziniert, wie eng in der Werkstofftechnik die Grundlagenwissenschaft mit praktischen Anwendungen verzahnt ist – ein Werkstoff ist nie Selbstzweck, sondern immer Teil einer Lösung. Diese Kombination aus Tiefe und Anwendungsnähe hat mich in meinem Maschinenbaustudium an der TU Dortmund schnell zur Vertiefung in der Materialwissenschaft geführt.
Während meiner Zeit als studentischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für Werkstoffprüftechnik (WPT) war ich von Anfang an in spannende Forschungsprojekte eingebunden. Die dabei entstandene Begeisterung für wissenschaftliche Problemlösung – und der Wunsch, nachhaltige Beiträge zur Technik zu leisten – haben den Wunsch nach einer Promotion schnell reifen lassen.
Das Thema der Wiederverwertung von Aluminiumspänen war dabei keineswegs vorgezeichnet, sondern hat sich durch eine Kombination aus Neugier, aktueller Relevanz und technologischer Herausforderung entwickelt. In enger Zusammenarbeit mit meinen Forschungspartnern und durch die Unterstützung meines Doktorvaters Prof. Frank Walther konnte ich das Thema Stück für Stück weiter entwickeln. Die Verbindung von ressourcenschonender Fertigung und Werkstoffbewertung ist seitdem ein roter Faden meiner Arbeit.
2) In Ihrer Vorlesung „Nachhaltige Werkstoffe und Prozessketten“ verbinden Sie Technik und Umweltbewusstsein. Welche Erfahrungen aus Ihrem eigenen Studium und aus Vorlesungen, die Sie damals geprägt haben, fließen in Ihre Lehrveranstaltungen ein? Und braucht es heute andere Konzepte, um Studierende zu begeistern und ihnen Wissen nachhaltig zu vermitteln – was ist hier Ihr persönliches Erfolgsrezept?
Ich bin überzeugt, dass klassische Vorlesungsformate weiterhin ein solides Fundament bieten – aber sie reichen heute allein nicht mehr aus, um die Vielfalt der Studierenden abzuholen und nachhaltige Lernprozesse anzustoßen. Für mich steht daher eine zeitgemäße Lehre im Mittelpunkt, die konventionelle Elemente mit digitalen Tools, interaktiven Formaten und hohem Praxisbezug kombiniert. In der Vorlesung „Nachhaltige Werkstoffe und Prozessketten“, die auf meinen eigenen Forschungsarbeiten basiert, arbeite ich mit Anwendungsbeispielen und realen Forschungsdaten, um Studierenden zu zeigen, wie Materialwissenschaft ganz konkret zur Lösung von Zukunftsfragen beitragen kann – vom Recycling über CO₂-Reduktion bis zur Kreislaufwirtschaft. Dabei gebe ich selbst keine Lösungen vor, sondern die Studierenden sollen in eigens entwickelten Projektideen selbst Wege finden, etablierte Prozesse nachhaltiger zu gestalten.
Geprägt haben mich in meinem Studium insbesondere Lehrveranstaltungen, die mehr waren als reine Wissensvermittlung – die einen Bezug zur Realität und zur gesellschaftlichen Verantwortung hergestellt haben. Genau das versuche ich heute selbst zu vermitteln: Werkstofftechnik als Teil eines größeren Zusammenhangs zu denken.
3) Sie arbeiten an der Schnittstelle von Grundlagenforschung und industrieller Anwendung – mit einem klaren Fokus auf nachhaltige Werkstoffnutzung. Wohin möchten Sie Ihre Forschung in den nächsten Jahren entwickeln, und welche Rolle soll dabei das Thema Nachhaltigkeit spielen?
Nachhaltigkeit ist für mich kein Zusatzthema, sondern der Ausgangspunkt meiner Forschung. In den kommenden Jahren möchte ich meinen Ansatz der ressourcenschonenden Werkstoffverarbeitung weiter ausbauen – sowohl auf neue Materialsysteme wie Titan oder Stahl als auch auf neue Prozessketten. Dabei ist mir besonders wichtig, dass die Forschung an der Schnittstelle zwischen Labor und Anwendung bleibt. Mein Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die sich technologisch umsetzen lassen und gleichzeitig ökologische und ökonomische Vorteile bieten – etwa durch Materialkreisläufe, energieeffiziente Prozesse oder langlebige und sichere Werkstoffe.
Ein weiteres zentrales Anliegen ist mir der Bereich Biomaterialien, den ich inzwischen auch als Gruppenleiter am WPT mitverantworte. Hier steht neben der Ressourceneffizienz besonders die Patientensicherheit im Fokus. Gerade in einer alternden Gesellschaft braucht es neue, biokompatible und gleichzeitig nachhaltige Werkstoffe, um technische und medizinische Anforderungen in Einklang zu bringen.
Wir gratulieren Herrn Dr.-Ing. Alexander Koch nochmals herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung und freuen uns darauf, ihn und alle Preisträger*innen beim DGM-Tag 2025 zu ehren und persönlich kennenzulernen.