DGM-Tag 2025 | Die Preistragenden stellen sich vor – Masing-Gedächtnispreis – Dr.-Ing. Oliver Renk

Der renommierte Masing-Gedächtnispreis würdigt herausragende wissenschaftliche Forschungsarbeiten junger DGM-Mitglieder. Namensgeber des Preises ist der Metallkundler und Hochschullehrer Prof. Dr. phil. Dr. R. h. Georg Masing (1885-1956), langjähriger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der DGM. Ihm zu Ehren stiftete die DGM 1957 den gleichnamigen Wissenschaftspreis.

Der Masing-Gedächtnispreis honoriert die wissenschaftliche Arbeit, die in den letzten zwei Jahren vor der Verleihung veröffentlicht wurden. Die Disputationen der Nominierten dürfen dabei nicht länger als 10 Jahre zurückliegen. Der Masing-Gedächtnispreis 2025 geht an Dr.-Ing. Oliver Renk, Montanuniversität Leoben.

1) Wer mit Ihnen diskutiert, bemerkt schnell Ihre Begeisterung für metallphysikalische Fragen – und Ihr Wissen weit über die letzten Jahrzehnte hinaus. Was hat ursprünglich Ihr Interesse an der Materialphysik geweckt, und was hält Ihre Faszination bis heute lebendig? 

Zu sehen, wie Materialdefekte und deren Wechselwirkung die Materialeigenschaften verändern können hat mich schon sehr früh fasziniert. Ich hatte dann sicher auch das Glück bei einem der Besten auf dem Gebiet lange lernen und forschen zu dürfen. Die unzähligen Diskussionen mit Reinhard Pippan, seine Faszination und motivierende Teamführung, vor allem aber sein Interesse und Unterstützung auch verrückte Ideen probieren zu dürfen waren nicht nur lehrreich, sondern haben diese Faszination sicher verstärkt. Bei spannenden Versuchen von Studenten, versuche ich nach wie vor den Terminkalender umzukrempeln und dabei zu sein.

2) Sie kennen nicht nur aktuelle Literatur, sondern auch Arbeiten aus den Anfangsjahren der Materialphysik. Welche Bedeutung hat dieses historische Wissen für Ihre eigene Forschung – und wie kann es heutige Entwicklungen beeinflussen? 

Anfangsarbeiten in einem Spezialgebiet sind für mich ebenso spannend zu lesen wie aktuelle. Einerseits, weil Probleme schon seit mehreren Jahrzehnten nicht gänzlich gelöst sind, aber doch schon einiges probiert wurde. Beispielsweise ist die Versprödung von Metallen seit mehr als 100 Jahren bekannt, im Detail aber immer noch nicht verstanden. Man kann sich dadurch teils langwierige Versuchsreihen ersparen und findet nebenbei unterschiedliche Ansätze und Überlegungen, die man als Diskussionspunkt für aktuelle Forschungen oder die Beurteilung der eigenen Probleminterpretation sehr gut heranziehen kann. Persönlich beeindruckt mich bei vielen alten Arbeiten die Genialität der Versuche. Mit oft wenigen Mitteln konnte vielleicht nicht das letzte Atom analysiert werden, aber mit simplen Überlegungen kam man doch der Lösung eines Problems sehr nahe. Ich denke davon kann man sich noch immer viel abschauen.

3) Sie sind bekannt dafür, Forschungsergebnisse erst zu veröffentlichen, wenn Sie sie mehrfach überprüft und alle Erklärungen sorgfältig abgewogen haben. Wie hat sich dieser Anspruch auf Ihre Arbeit und deren Wahrnehmung in der Fachcommunity ausgewirkt? 

Die Wahrnehmung der Community kann ich nicht beurteilen. Für mich selber gehört es eigentlich zu einer guten wissenschaftlichen Praxis, nicht die erstbeste Messung zu interpretieren und zu publizieren. Man geht ja oft mit einer Erwartungshaltung in ein Experiment, idealerweise passiert dann genau was man vermutet. Aber hat man auch alle Einflussgrößen berücksichtigt? Daher hatten wir oft versucht auf Basis eines ‚Gedankenmodells‘ dieses in einer weiteren Versuchsserie zu überprüfen. Also man glaubt aufgrund der Arbeit ein Materialproblem oder Phänomen verstanden zu haben, warum also nicht diese These in einem Folgeexperiment überprüfen? Gelingt das, ist das natürlich nicht nur erfüllend und verstärkt die These, sondern bewahrt auch vor Fehltritten. Dadurch präsentiert man aber sicher auch selbstbewusster, denn man hat ja nicht nur mehrfach überprüft, sondern auch die eigenen Hypothesen validiert.

4) Sie halten regelmäßig eingeladene Vorträge bei internationalen Tagungen. Welche Rolle spielt für Sie die Vermittlung komplexer Inhalte – gerade auch an Nachwuchswissenschaftler*innen – und wie gelingt es Ihnen, Fachwissen so zu präsentieren, dass es nachhaltig in Erinnerung bleibt? 

Ich versuche sowohl in der Lehre als auch bei Fachvorträgen, Ergebnisse und Zusammenhänge so simpel wie möglich darzustellen und alle nicht relevanten Details für die grundlegende Story wegzulassen. Wichtig ist für mich die Motivation – warum wurde das Projekt überhaupt initiiert – und welchen Wert oder Auswirkung hat das erlangte Wissen. Ich denke (hoffe), ein Vortrag kann dann immer für eine Vielzahl an Hörern spannend bleiben und diese unabhängig vom Wissensstand mitnehmen.

Wir gratulieren Herrn Dr.-Ing. Oliver Renk nochmals herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung und freuen uns darauf, ihn und alle Preisträger*innen beim DGM-Tag 2025 zu ehren und persönlich kennenzulernen.

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