Heinrich Mecking brachte eine außergewöhnliche Lebens- und Berufserfahrung in die Materialwissenschaft ein. 1930 in Klein-Reken geboren, absolvierte er zunächst eine bergmännische Ausbildung zum Hauer im Kohlebergbau seiner westfälischen Heimat, bevor er den Weg an die Universität einschlug. Es folgten das Physikstudium, die Promotion und Habilitation an der RWTH Aachen sowie Forschungsaufenthalte, unter anderem am Argonne National Laboratory in den USA. Dieser Weg – vom praktischen Untertageberuf in die Grundlagenforschung – prägte sein Verständnis von Technik, Verantwortung und Wissenschaft ein Leben lang.
Früh profilierte sich Heinrich Mecking als einer der führenden Werkstoffphysiker in Deutschland. Sein wissenschaftliches Werk kreist um die plastische Verformung, Verfestigung und Kristallplastizität metallischer Werkstoffe – Themen, denen er seit den späten 1960er Jahren treu blieb. Er entwickelte grundlegende Beiträge zur Beschreibung der Fließspannung in Metallen, zur Ausbildung von Versetzungsanordnungen nach plastischer Verformung sowie zu Rekristallisationsvorgängen und Texturbildung. Später wandte er sich auch intermetallischen Phasen zu. Für seine Arbeiten zur thermisch aktivierten Versetzungsbewegung wurde er 1978 mit der Tammann-Gedenkmünze der DGM ausgezeichnet, später folgte die Heyn-Denkmünze.
Wissenschaftlich suchte und pflegte er stets den Austausch. Er arbeitete eng mit prägenden Metallphysikern wie Günther Gottstein, Yuriy Estrin und Alfred Seeger zusammen. Besonders verbunden war er über Jahrzehnte mit Fred Kocks; aus dieser Partnerschaft gingen mehrere hochzitierte Arbeiten hervor. Ihre gemeinsame Veröffentlichung von 2003 im „Progress in Materials Science“ wurde mehr als 2000 Mal zitiert – eine Anerkennung, die nur wenigen Arbeiten im Bereich der Plastizität zuteilwird und die Bedeutung seines wissenschaftlichen Werkes eindrucksvoll unterstreicht.
1980 folgte Heinrich Mecking einem Ruf an die junge Technische Universität Hamburg-Harburg. Dort vertrat er Werkstoffphysik und -technologie in Forschung und Lehre und trug entscheidend dazu bei, die Werkstoffwissenschaften zu einem international sichtbaren Schwerpunkt auszubauen. Zwischen 1987 und 1993 war er der erste gewählte Präsident der TUHH und gestaltete den Aufbau der Hochschule in einer Phase, in der Strukturen, Profile und Kooperationen erst entwickelt werden mussten. Für dieses Wirken wurde er später zum Ehrensenator der TU Hamburg ernannt.
Auch in der DGM hat Heinrich Mecking über viele Jahre hinweg Verantwortung übernommen und Impulse gesetzt. Er war Vorsitzender der AG Metallphysik (1983–1986), leitete den Beraterkreis (1987/88) und stand unserer Gesellschaft als Vorsitzender in den Jahren 1993/94 vor – in einer Zeit, in der sich die Werkstoffcommunity nach der Wiedervereinigung europäisch neu ausrichtete. In seinem Grußwort zum 75-jährigen Jubiläum der DGM betonte er die Rolle unserer Gesellschaft als Moderatorin zwischen Disziplinen, zwischen Grundlagenforschung und technischer Anwendung, zwischen Wissenschaft und industrieller Praxis – ein Selbstverständnis, das uns bis heute leitet.
Das gezeigte Bild, das ihn gemeinsam mit dem FEMS-Gründungspräsidenten Robert Lallement zeigt, steht sinnbildlich für sein Denken über nationale Grenzen hinaus und sein Engagement für ein europäisches Netzwerk der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik. Er verstand die DGM und die europäische Zusammenarbeit nie als Selbstzweck, sondern als notwendige Struktur, um Wissen, Menschen und Ideen zusammenzubringen.
Wer mit Heinrich Mecking zusammenarbeiten durfte, erinnert sich an einen präzisen Denker und integren Gesprächspartner. In Diskussionen verband er Ruhe mit analytischer Schärfe, war argumentativ kompromisslos in der Sache, aber stets respektvoll im Ton. Viele jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ihn als fördernden Mentor erlebt, der Talente sah, ermutigte und ihnen Räume zur Entfaltung eröffnete. Geprägt von westfälischer Gelassenheit und bergmännischem „Glück auf“ half er komplexe Situationen auf das Wesentliche zu reduzieren und zu lösen.
Die DGM verneigt sich in Dankbarkeit vor dem Lebenswerk von Prof. Dr.-Ing. Heinrich Mecking. Wir verlieren einen herausragenden Wissenschaftler, einen Brückenbauer zwischen Grundlagenforschung und Anwendung, und einen Gestalter unserer Gesellschaft.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm verbunden waren. Sein wissenschaftliches Werk, seine Impulse für die DGM und sein Beispiel als Persönlichkeit werden in unserer Gemeinschaft weiterleben.