DFG bewilligt neun neue Sonderforschungsbereiche

Forschung zu Materialien, Medizin und Chemie erhält rund 120 Millionen Euro Förderung.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet neun neue Sonderforschungsbereiche (SFB) ein, die ab April 2026 für zunächst knapp vier Jahre mit rund 120 Millionen Euro gefördert werden. Darunter befindet sich auch ein SFB/Transregio, der von mehreren Hochschulen gemeinsam getragen wird. Zusätzlich verlängert die DFG 32 bestehende SFB, darunter 15 TRR, jeweils um eine weitere Förderperiode. Insgesamt fördert sie damit ab April 2026 insgesamt 257 Forschungsverbünde. Sonderforschungsbereiche ermöglichen die langfristige Bearbeitung anspruchsvoller Forschungsprojekte im Verbund und können bis zu zwölf Jahre laufen. Für zwei bereits bestehende SFB wurden außerdem jeweils sechs neue Transferprojekte bewilligt. 

Die folgenden ausgewählten Themen gehören zu den Bereichen, die für den MatWerk-Bereich besonders relevant sind:

Pilzbasierte Baumaterialien im Fokus
Der neue SFB „MY-CO BUILD: Biotechnologische Herstellung, Charakterisierung und Nachhaltigkeitsbewertung pilzbasierter Baumaterialien“ erforscht, wie sich biologisch hergestellte und vollständig abbaubare pilzbasierte Materialien für den Einsatz in Bau und Design entwickeln lassen. Der Verbund untersucht dazu die biologischen, mechanischen und funktionalen Eigenschaften dieser neuen Werkstoffklasse und verknüpft sie mit dem genetischen Potenzial verschiedener Pilzorganismen. (TU Berlin, Sprecherin: Professorin Dr.-Ing. Vera Meyer)

Bor als Schlüssel für neue Materialien
Im SFB „Bor als eigenschaftsbestimmendes Element“ steht die molekulare Bor-Chemie im Mittelpunkt. Ziel des Verbunds ist es, Bor zu einer vielseitigen Plattform für Anwendungen in Feinchemikalien, Wirkstoffen und funktionalen Materialien zu entwickeln. Dazu erforscht das Team neue borzentrierte Synthese- und Katalysestrategien sowie innovative Verbindungsklassen. Gleichzeitig werden Bor-basierte Funktionsmaterialien für Batterietechnik, Sensorik und optoelektronische Bauteile entwickelt. Auch medizinische Anwendungen, etwa als Fluoreszenzmarker oder potenzielle Krebstherapeutika, sollen vorangetrieben werden. (Universität Würzburg, Sprecher: Professor Dr. Maik Finze)

Die für eine weitere Förderperiode verlängerten Sonderforschungsbereiche: 

Die Forschung untersucht, wie sich Elektronenspins in Femtosekunden steuern lassen. Sie kombiniert experimentelle und theoretische Ansätze, um diese schnellen Prozesse in neuartigen Magnetmaterialien zu verstehen und Grundlagen für zukünftige Terahertz-Spintechnologien zu schaffen. 

(FU Berlin; Sprecher: Professor Dr. Martin Weinelt; ebenfalls antragstellend: Universität Halle)

Die Forschung analysiert, wie sich nichtgleichgewichtsbasierte Atmosphärendruckplasmen zeitlich und räumlich präzise steuern lassen, um kontrollierte Molekülumwandlungen an Gas-, Flüssigkeits- und Festkörpergrenzflächen zu erreichen. Sie verbindet plasmainduzierte Reaktionspfade mit katalytischen, elektrochemischen und biokatalytischen Prozessen. Das zentrale Ziel ist die Entwicklung flexibel einsetzbarer, energie- und masseneffizienter Umwandlungsmethoden, die perspektivisch als Baustein für die Nutzung erneuerbarer Energien in dezentralen Szenarien dienen könnten. 

(Universität Bochum; Sprecher: Professor Dr. Achim von Keudell)

Die Forschung entwickelt neue Sicherheitsstrategien für medizinische Implantate, indem sicherheitsrelevante Konzepte aus den Ingenieurwissenschaften auf die Medizin übertragen werden. Der interdisziplinäre Verbund untersucht, wie Implantate infektionsreaktiv und zuverlässiger gestaltet werden können, um ihre langfristige Sicherheit deutlich zu erhöhen. 

(MHH Hannover, Sprecherin: Professorin Dr. Meike Stiesch; ebenfalls antragstellend: Universität Hannover)

Die Forschung untersucht elektronische Systeme, in denen Dirac-artige Bandstrukturen und starke Spin-Bahn-Kopplung relativistische Effekte erzeugen. Analysiert werden elektronische, magnetische, optische und transportbezogene Eigenschaften in Molekülen, Nanostrukturen, zweidimensionalen Kristallen, topologischen Isolatoren und Supraleitern. Ziel ist es, das Potenzial dieser Phänomene für zukünftige elektronische Konzepte zu bewerten, einschließlich neuartiger zeit- und frequenzabhängiger Effekte. 

(Universität Regensburg, Sprecher: Professor Dr. Jaroslav Fabian)

Die Forschungsarbeiten richten sich auf die Entwicklung innovativer Implantate mit elektrischer Funktionalität. Im Mittelpunkt stehen Systeme zur Unterstützung der Knochen- und Knorpelregeneration sowie implantierbare Technologien für die Tiefenhirnstimulation, die bei neurologisch bedingten Bewegungsstörungen eingesetzt werden. 

(Universität Rostock, Sprecher ab 1.1.2026: Professor Dr.-Ing. Sascha Spors)

Das Projekt untersucht, wie Grenzflächenprozesse Strömung, Stofftransport und mechanische Deformation in porösen Medien prägen. Im Fokus stehen die Einflüsse von Porengeometrie, Heterogenität und Rissstrukturen auf die Dynamik von Fluid-Fluid- und Fluid-Feststoff-Grenzflächen. Ziel ist es, diese Mechanismen auf kleinen Skalen experimentell und numerisch zu erfassen und daraus präzisere Modelle für komplexe poröse Systeme zu entwickeln. 

(Universität Stuttgart, Sprecher: Professor Dr.-Ing. Holger Steeb) 

Das Projekt erforscht automatisierte 3D-Druckprozesse zur Herstellung lebender Zell-Material-Konstrukte, die zu funktionalen humanen Gewebemodellen reifen können. In der zweiten Förderphase liegt der Schwerpunkt darauf, das Verhalten der gedruckten Zellen, ihre langfristige Versorgung und den systematischen Aufbau belastbarer Gewebemodelle zu verstehen. Die Arbeiten verbinden Materialentwicklung, optimierte Druckverfahren und die Modellkonstruktion, um die Grundlage für leistungsfähige Gewebemodelle der nächsten Generation zu schaffen. 

(Universität Würzburg, Sprecher: Professor Dr. Jürgen Groll; ebenfalls antragstellend: Universität Erlangen-Nürnberg, Universität Bayreuth)

Transferprojekte für bereits in der Förderung befindliche Sonderforschungsbereiche:
Für zwei bestehende Sonderforschungsbereiche hat die DFG jeweils sechs neue Transferprojekte bewilligt – gefördert mit insgesamt rund 5 Millionen Euro. Beteiligt sind Partner aus unterschiedlichsten Branchen, darunter Automobil- und Maschinenbau sowie Prüftechnik, die die Forschung mit eigenen Ressourcen unterstützen. Die Ergebnisse sollen direkt in die SFB zurückfließen und deren Grundlagenforschung gezielt erweitern. 

Transferprojekte zur Bauteilpräzision 

Im seit 2014 geförderten SFB „Bauteilpräzision durch Beherrschung von Schmelze und Erstarrung in Produktionsprozessen“ arbeiten die neuen Transferprojekte an konkreten industriellen Anwendungen. Dazu zählen Verfahren zur Vermeidung spannungsinduzierter Risse beim Laserstrahl-Mikroschweißen, KI-gestützte Bahnplanungen für Laserschweißprozesse sowie die Integration neuronaler Netze in Gießsimulationen. Sprecherhochschule ist die RWTH Aachen.

Transfer mechanischer Fügeverfahren
Im seit 2019 geförderten SFB/Transregio „Methodenentwicklung zur mechanischen Fügbarkeit in wandlungsfähigen Prozessketten“ zielen die neuen Transferprojekte darauf ab, Forschungsergebnisse in industrielle Anwendungen zu überführen. Schwerpunkte sind die präzisere Reibmodellierung mechanischer Füge- und Umformverfahren unter realen Fertigungsbedingungen sowie Methoden zur Festigkeitssteigerung beim Fügen faserverstärkter Kunststoffe. Sprecherhochschule ist die Universität Paderborn, gemeinsam mit der TU Dresden und der Universität Erlangen-Nürnberg.

Weiterführende Informationen befinden sich auf der Webseite der DFG. 

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