DFG bewilligt elf neue Graduiertenkollegs für fünf Jahre

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft richtet elf neue Graduiertenkollegs ein. Die Themen reichen von neurobiologischen Mechanismen der Epileptogenese bis zur globalen Landnutzung und resilienten Ernährungssystemen. Rund 82 Millionen Euro stehen für die erste Förderperiode ab Frühjahr 2026 bereit. Zusätzlich verlängerte der Bewilligungsausschuss zehn bestehende Kollegs.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) stärkt die frühe wissenschaftliche Karriere und fördert ab Frühjahr 2026 elf neue Graduiertenkollegs. Sie erhalten zunächst für fünf Jahre insgesamt rund 82 Millionen Euro, inklusive einer Programmpauschale für indirekte Projektausgaben. Unter den neuen Verbünden befindet sich ein Internationales Graduiertenkolleg mit Partnern in Australien. In der Summe unterstützt die DFG aktuell 209 Graduiertenkollegs, darunter 29 internationale Programme. 

Die folgenden ausgewählten Themen gehören zu den Bereichen, die für den MatWerk-Bereich besonders relevant sind: 

Die Entstehung biologischer Materialien
Das Kolleg an der TU Dresden erforscht Bildungsmechanismen biologischer Materialien, deren Vielfalt auf hierarchisch organisierten Baustein-Modulen beruht. Untersucht werden Biomineralien, proteinbasierte Materialien und Polysaccharid-Protein-Komposite. Die Erkenntnisse sollen bioinspirierte und nachhaltige Herstellungsprozesse befördern.
(TU Dresden, Sprecherin: Professorin Dr. Yael Politi) 

Auf der Suche nach Hinweisen auf ein neues Standardmodell der Teilchenphysik
Obwohl das Standardmodell viele experimentelle Ergebnisse präzise beschreibt, bleiben zentrale Fragen offen, etwa zur Dunklen Materie oder zur Materie-Antimaterie-Asymmetrie. Das Kolleg an der Universität Freiburg kombiniert theoretische und experimentelle Ansätze, um konsistente Erweiterungen des Standardmodells zu identifizieren.
(Universität Freiburg, Sprecherin: Professorin Dr. Heidi A. Rzehak) 

Wahrnehmung von und Interaktion mit Materialien und Objekten in natürlichen Umgebungen
An der Universität Gießen wird untersucht, wie Menschen Materialien und Objekte im Alltag wahrnehmen und mit ihnen interagieren. Dabei stehen realitätsnahe Bedingungen im Mittelpunkt, ergänzt durch innovative Methoden und Modellierungsansätze. Im Fokus steht die Frage, wie sensorische, kognitive und motorische Prozesse über die Lebensspanne variieren.
(Universität Gießen, Sprecherin: Professorin Dr. Katja Fiehler) 

Quantenphotonik: Quantenemitter, maßgeschneiderte Photonenzustände und Quantenprozessoren
In Hannover liegt der Schwerpunkt auf photonischen Quantensystemen, deren Zustände eine zentrale Rolle für Kommunikations- und Kryptographieanwendungen spielen. Untersucht werden Grundlagen der Quellenentwicklung, maßgeschneiderter Photonenzustände sowie neuartige integrierte Quantenprozessoren.
(Universität Hannover, Sprecher: Professor Dr. Michael Oestreich)

Wettbewerb um Land: die Rolle des Nexus aus Nahrungsmitteln, Energie und Materialien bei der Bewältigung der Klima- und Biodiversitätskrise
Das Internationale Graduiertenkolleg zwischen dem Karlsruher Institut für Technologie und der University of Melbourne untersucht die steigende globale Landnachfrage und ihre ökologischen, gesellschaftlichen und klimatischen Auswirkungen. Im Mittelpunkt steht ein integrierter Blick auf das Landsystem und dessen Nutzungskonflikte.
(Karlsruher Institut für Technologie KIT, Sprecherin: Professorin Dr. Almut Arneth; Kooperationspartner: University of Melbourne, Australien) 

BioBuild – Bio-inspirierte Materialien und Systeme für reaktionsfähige Gebäudekomponenten
Die Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf bioinspirierte Lösungen für adaptive Gebäudefassaden, die auf nachgiebige und reversibel verformbare Materialien setzen. Diese ersetzen starre mechanische Systeme und führen zu energieeffizienteren und weniger störanfälligen Strukturen.
(Universität Stuttgart, Sprecher: Professor Dr. Jan Knippers; ebenfalls antragstellend: Universität Freiburg) 

GRK „‘Charging into the future‘: Verständnis der Wechselwirkung von Polyelektrolyten mit Biosystemen“ 
Im Mittelpunkt des Kollegs steht die Frage, wie Polyelektrolyte mit biologischen Strukturen in Kontakt treten und welche physikochemischen Faktoren diese Prozesse prägen. Untersucht werden Bindungsmechanismen, Strukturänderungen und funktionelle Eigenschaften, die grundlegende Einblicke in biologische Systeme ermöglichen und zugleich Impulse für die Entwicklung bioinspirierter Materialien geben.
(FU Berlin, Sprecher: Professor Dr. Kevin Pagel; Kooperationspartner: Université McGill, University of British Columbia, beide Kanada) 

GRK „Wasserstoff-Isotope 1,2,3H“  
Im Fokus des Kollegs steht eine umfassende Analyse der drei Wasserstoff-Isotope Protium, Deuterium und Tritium, um ihr chemisches und physikalisches Verhalten präzise zu charakterisieren. Untersucht werden sowohl grundlegende isotopenspezifische Eigenschaften als auch mögliche Anwendungen in Materialwissenschaft, Umwelt- und Energieforschung. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit soll ein vertieftes Verständnis der Potenziale und Grenzen dieser Isotope entwickelt werden.
(Universität Leipzig, Sprecher: Professor Dr. Knut R. Asmis; ebenfalls antragstellend: TU Dresden, Universität Saarbrücken) 

GRK „Funktionelle pi-Systeme: Aktivierung, Wechselwirkungen und Anwendungen (pi-Sys)“  
Das Kolleg widmet sich der Untersuchung funktioneller π-Systeme, deren Aktivierung und Wechselwirkungen auf molekularer Ebene zentrale chemische Prozesse bestimmen. Im Fokus stehen Methoden, um π-Elektronensysteme gezielt zu steuern und dadurch neue Reaktivitäten zugänglich zu machen. Diese Arbeiten eröffnen Perspektiven für innovative Materialien und Anwendungen, die von elektronischen und optischen Eigenschaften bis zu katalytischen Funktionen reichen.
(Universität Münster, Sprecher: Professor Dr. Armido Studer; Kooperationspartner: Nagoya University, Japan) 

Weiterführende Informationen befinden sich auf der Webseite der DFG.