Fachausschuss
Texturen

Der DGM-Fachausschuss will wissenschaftliche und industrielle Fragen aufgreifen, die mit Texturen polykristalliner Stoffe aller Art zusammenhängen, namentlich zur Messtechnik, zur mathematischen Datenanalyse, zur Texturentstehung, zum Textur-Eigenschaften-Verhältnis oder zur Herstellung und Anwendung texturierter Werkstoffe. Er vereint Mitglieder aus der Materialwissenschaft, dem Maschinenbau, der Physik und der Geowissenschaft mit Industrievertreter*innen, die sich hauptsächlich mit der Metallherstellung und Metallverarbeitung sowie mit der Texturmessung und Texturanalyse beschäftigen. 

In der Texturforschung hat sich in Deutschland unter reger Beteiligung verschiedener Mitglieder des Fachausschusses eine wissenschaftliche Community mit internationaler Ausstrahlungskraft etabliert. Dies zeigt sich alle drei Jahre auf der „International Conference on Textures of Materials“ (ICOTOM) sowie auf zahlreichen Symposien anderer internationaler Tagungen, die sowohl Wissenschaftler*innen als auch Industrievertreter*innen genannter Sparten aus der ganzen Welt anziehen.

In der Kristallografie beschreibt die „Textur“ eines Materials, wie sich die einzelnen Körner (Kristallite) in einem vielkristallinen Festkörper zueinander orientieren. Für zahlreiche Materialien und Werkstoffe ist dies von zentraler Bedeutung, weil sich ihre Eigenschaften (z.B. magnetische und mechanische Eigenschaften) aus dieser kristallinen Ausrichtung ergeben – und sich durch gezielte Behandlung für einen optimalen Einsatz einstellen lassen. Im Bereich der Materialtechnologie geben Analysen der Texturänderung nach thermo-mechanischer Behandlung wertvolle Informationen über die zugrundeliegenden Festkörperprozesse (Kristallisation (inkl. Abscheidung aus der Gas- und Flüssigphase), plastische Verformung, Rekristallisation, Kornwachstum und Phasentransformation).

Da die Textur maßgeblich die Anisotropie der Eigenschaften von polykristallinen Materialien bestimmt, ist die Texturforschung seit jeher von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Im internationalen Vergleich ist sie in Deutschland bereits sehr gut aufgestellt. Wenn es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zudem gelingt, bestimmte Herausforderungen zu meistern, ließen sich neue Materialien mit optimierten Eigenschaften herstellen, die in unterschiedlichsten Industriebereichen wie der Automobil- und Luftfahrttechnik eingesetzt werden und damit zum hiesigen gesellschaftlichen Wohlstand maßgeblich beitragen könnten.

Um den in sie gesetzten Erwartungen gerecht zu werden, muss sich die Forschung im kommenden Jahrzehnt verstärkt mit Texturmessungen mittels Synchrotron- und Neutronenstrahlung befassen, die „in-situ“, etwa während der Verformung oder thermischen Behandlung an massiven Proben, durchgeführt werden können. Gleiches gilt für die bereits stark etablierte Elektronenbeugung im Rasterelektronenmikroskop, mit deren Hilfe sich Wechselwirkungen zwischen lokalen Texturen und der Mikrostruktur besser verstehen ließen. Eine weitere Herausforderung sind Texturmessungen an Materialien mit Submikro- bis Nanometerkorngrößen, die sich durch verschiedene neue Methoden der Umformung herstellen lassen. Außerdem gilt es, die Textursimulationen stark zu verbessern, um tragfähige Textur- und Eigenschaftsvorhersagen machen zu können.

Bislang war die Texturforschung hauptsächlich grundlagenorientiert ausgerichtet. In Zukunft sollte prinzipiell eine stärkere Verbindung mit der Industrie angestrebt werden.

Ziele

  • Aufgreifen von wissenschaftlichen und industriellen Fragen, die mit Texturen polykristalliner Stoffe aller Art zusammenhängen. Hierzu gehören Fragen der Messtechnik, der mathematischen Datenanalyse, des Zusammenhangs zwischen Textur und Eigenschaften sowie der Herstellung und Anwendung texturierter Werkstoffe
  • Erarbeiten eines wissenschaftlich fundierten Verständnisses der Texturentwicklung in polykristallinen Materialien und der Korrelation von Textur und Eigenschaften (Anisotropie), Erfahrungsaustausch zwischen Arbeitsgruppen und Netzwerkbildung
  • Vorbereitung und Durchführung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, Tagungen und Fortbildungsveranstaltungen: gemeinsame Projekte von Universitäten, Forschungsinstituten und der Industrie
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